Die Stunde des neuen Kraftfahrers

Lukas Klöckner vom THW Ortsverband Bad Berleburg hat erst vor kurzem seine Ausbildung zum Kraftfahrer absolviert und über das THW eine entsprechende Fahrerlaubnis erworben.
Dieses Engagement und die Ausbildung sind dem Bad Berleburger heute Mittag zu Gute gekommen.
B480, Richtung Albrechtsplatz. Heftige Schneefälle und Matsch auf der Straße haben die Fahrbahn in eine einzige Rutschbahn verwandelt. Nichts geht mehr. Dicht an Dicht stehen die schweren Lastwagen an der Steigung und kommen nicht mehr voran. Die Polizei hat den Albrechtsplatz bereits gesperrt. Der Streudienst fährt die Strecke immer wieder mit massivem Salzeinsatz ab, langsam taut der Schnee auf der Fahrbahn weg.
In der Kolonne steht auch ein Lkw-Fahrer aus dem Raum Aachen. „Heute Morgen habe ich im Hagebaumarkt in Bad Berleburg einen Teil meiner Ladung entladen und muss jetzt nach Schmallenberg“, schildert er seine Route. Seit etwa 09.30 Uhr wartet er auf eine Besserung der Situation. „Probier mal, das müsste klappen“, hatte der Streuwagenfahrer dem Fernfahrer gesagt. Es klappte nicht. Der rund 20 Tonnen schwere Lastzug kommt ins Rutschen, schliddert gegen die Leitplanken und bleibt stehen. Kein Rad geht mehr vorwärts, es dreht nur noch durch. Der Wagen kommt weder vor, noch zurück. Die Polizei muss den Lkw absichern, damit niemand anderes hinein fährt.
Jetzt ist die Stunde von THW-Kraftfahrer Lukas Klöckner gekommen: Er soll den Sattelzug wieder zurück auf die Fahrbahn ziehen. Zusammen mit seinem Kameraden Daniel Borchardt steuert er seinen 10 Tonnen schweren Gerätekraftwagen mit Zwillingsreifen, Allradantrieb und Schneeketten in Richtung des stecken gebliebenen Lkw. Jetzt kommen seine Ausbildung, sein Können und seine Motivation zum Tragen. Millimetergenau steuert er den Gerätewagen in die erforderliche Position und dann wird die Abschleppstange befestigt. Die Polizei hat die Fahrbahn jetzt komplett gesperrt. Daniel Borchardt wartet nun außerhalb des Fahrzeugs. Er weist seinen Kollegen per Hand ein, wie er jetzt fahren soll. Mit Fingerspitzengefühl und Millimetergenau steuert Lukas seinen Gerätewagen den Berg hinauf, mit dem gestrandeten Lastwagen am Haken. Nach wenigen Minuten war der Lkw aus seiner misslichen Lage befreit. Der Fahrer aus Aachen war überglücklich, dass alles so reibungslos geklappt hat. Kein Schaden am Lkw, kein Schaden an der Leitplanke, wieder sicheren Boden unter den Rädern und keiner verletzt worden.
Das Dankeschön des Lkw-Fahrers und der Polizei nehmen die beiden THW-Helfer nur bescheiden entgegen. Dennoch können sie ihren Stolz über den geglückten Einsatz nicht ganz verbergen, als sie in ihren Gerätewagen steigen und weiter in Richtung Albrechtsplatz fahren, um zu drehen und wieder zur Unterkunft zu kommen. Mit dem guten Gefühl geholfen zu haben: Unbürokratisch, professionell und schnell.

Übrigens können alle Behörden, Institutionen, Firmen und Privatleute den THW Ortsverband Bad Berleburg direkt über Volker Dieckmann 01 51 - 29 13 88 69, oder Jürgen Freischlader01 73 - 2 81 35 38, anfordern, oder eine Einsatzmöglichkeit individuell besprechen.

 

 

Prüfung mit Bravour bestanden

Wie baut man eine Motorsäge zusammen und macht sie betriebsfertig? Wie gehe ich mit einem Trennschleifer um? Wie voll müssen Sandsäcke bei einem Wassereinbruch gefüllt werden? Diese und jede Menge weitere Fachfragen muss man nicht nur einwandfrei beantworten können, sondern auch in der praktischen Anwendung aus dem Schlaf beherrschen. Dann, wenn Menschen in Gefahr sind, wenn kompetente Hilfe so dringend gebraucht wird und trotzdem keine Hektik aufkommen darf.
Beim THW in Bad Berleburg braucht man sich darum keine Sorgen zu machen. Die Ausbilder Karl-Helmut Hackenbracht und Daniel Seibel hatten keine Fragen in der Ausbildung offen gelassen: Fünf neue Helfer konnten diese und viele weitere Fragen am Samstag in ihrer Abschlussprüfung beantworten und unter den strengen Augen der Prüfungskommission verschiedene Aufgabenstellungen mit der gewohnten Bravour bestehen. „Die theoretische Arbeit haben die Prüflinge heute Morgen schon geschrieben.
Um die schriftliche Prüfung zu bestehen, sind mindestens 80 % richtige Antworten gefordert, nicht wie sonst üblich 50%“, erläutert Daniel Borchardt, während zwei der Prüflinge gerade dabei sind, Sandsäcke zu füllen. Bei dieser Aufgabe kommt es aber auf weit mehr an, als nur die Säcke zu füllen. „Wie voll darf ich denn so einen Sandsack machen?“, fragt der Prüfer die beiden neuen Helfer Marco Dieckmann und Jan-Philip Bruder. „Der darf zu zwei Dritteln gefüllt werden, damit der Sand sich noch bewegen und verteilen kann und so wirklich das Wasser abgehalten werden kann“, so die prompte und richtige Antwort. Auch das Verknoten des Sackes verlangt zur besten Effektivität im Hochwassereinsatz eine bestimmte Technik. Fast schon logisch, dass auch diese richtig angewandt wurde. Das richtige befüllen von Sandsäcken beispielsweise ist eine wichtige Aufgabe für die zukünftigen THW-Helfer. So war der Bad Berleburger Ortsverband beispielsweise am Oderbruch im Einsatz und konnte Hilfe leisten.
In einer der Fahrzeuggaragen an der Sauerlandstraße ist es still. Gespannt schauen Prüfer und Stationshelfer auf Marius Afflerbach. Er arbeitet hoch konzentriert. Er muss eine in Einzelteile zerlegte Motorsäge zusammenbauen, betriebsfertig machen und anschließend ein dünnes Holzstück aus einem Mast herausschneiden. Routiniert, als hätte er nie etwas anderes getan, löst er seine Aufgabe. Dabei hat er an alles gedacht: Handschuhe, Schnittschutzhose, Schutzhelm mit Visier, die richtige Handhabung der Säge, das richtige Ansetzen des Schwertes und was man sonst noch denken muss.
Marina Hasse und Darinka Steinebach vom Ortsverband Hückeswagen bauen unterdessen eine Leiter zusammen, die sie anschließend an der Hauswand positionieren müssen. Auch das haben die beiden in kurzer Zeit zur vollsten Zufriedenheit der Prüfer geschafft.
Außerdem mussten am Samstag bestimmte Knoten beherrscht, Teile eines Metallrohres abgeschnitten, Beleuchtung aufgebaut, oder ein Einsatz mit einer Tauchpumpe durchgeführt werden. Am Ende des Prüfungstages stand für Prüfungsleiter Peter Fajer und Manfred Pollig, Sachbearbeiter Ausbildung beim Geschäftsführerbereich Olpe fest: Die 85 Stunden Ausbildung haben sich mehr als gelohnt.
Nicht nur in den Einzelarbeiten, sondern auch in der abschließenden Arbeit in der alle Prüflinge als Team arbeiten mussten, hat alles hervorragend geklappt. So kann man sich in Bad Berleburg freuen, ab sofort Marius Afflerbach und Marco Dieckmann mit in den Einsatz nehmen zu dürfen. In Hückeswagen verstärken Marina Hasse, Darinka Steinebach und Jan-Philip Bruder das Team. Die von den fünf Helfern absolvierte Grundausbildung ist Voraussetzung für den Einsatz beim THW. Jetzt folgt eine jeweilige Fachausbildung.

 

Ein besonderer Dank gilt den Kameraden des THW an dieser Stelle einmal für den immer freundlichen Empfang, viele netten Unterhaltungen und gestern für das tolle Essen. 

 

 

 

Präzisionsarbeit auf dem Marktplatz

Es ist Nacht. Es ist kalt und es regnet, Nebel zieht über die feuchten und glatten Straßen. Die enge und abschüssige Kreisstraße ist durch die Polizei abgesperrt worden. Hier hat sich ein schwerer Verkehrsunfall ereignet, die Unfallstelle muss zur Beweissicherung fotografiert und vermessen werden. Doch es ist Nacht, die Bremsspur nur sehr schlecht zu erkennen.
Die Unfallstelle muss ausgeleuchtet werden. Mindestens einhundert Meter enge Straße müssen erhellt werden, es dürfen keine Schatten entstehen, keine Stative aufgebaut werden. All das würde die Polizei, Gutachter und Fotografen bei ihrer Arbeit stören. Kurzum: Die eierlegende Wollmilchsau müsste erfunden werden, um diese Anforderungen zu erfüllen. Oder doch nicht? Beim THW, jener Bundesinstitution mit den blauen Einsatzfahrzeugen die leider im Alltag allzu oft vergessen wird, gibt es diese Möglichkeit, den Anforderungen gerecht zu werden.
Doch nicht nur das Beleuchten von Einsatzstellen ist eine Aufgabe, die das THW mit seiner Ausrüstung und den Helfern optimal erfüllen kann: Kompliziert festgefahrene Transporter wieder auf den richtigen Weg bringen, ohne noch mehr Schaden anzurichten, Sandsackwände gegen bedrohliche Fluten errichten, Wohnungen in Minutenschnelle vom Wasser befreien, Menschen eine Brücke bauen die sie auch mit Fahrzeugen befahren können, Konstruktionen bauen, die ein Haus am Einsturz hindern, Menschen aus besonderen Höhen und Tiefen retten, in der ehrenamtlichen Arbeit immer bis ans Limit zu gehen – das sind die Talente, die man beim THW findet.
Am Samstag, da konnten sich die Bürger von Bad Berleburg von der Professionalität der Helfer überzeugen. Und mehr noch: Am Samstag zeigten nur die Jugendlichen in der Öffentlichkeit ihr Können. Den Betrachtern fiel dabei etwas auf: Bis auf die andere Kleidung und die Körpergrößen der kleinen Helfer unterschied sich nichts von den Arbeitsweisen der erwachsenen THW-Helfer. Beim Bezirkswettkampf des Geschäftsführerbereich Olpe auf dem Marktplatz in Bad Berleburg zeigten vier Jugendgruppen in den Aufgaben ihr Können.
Kettenzüge, Fuchsschwanz, Schraubzwinge, Bohrmaschinen, Notstromerzeuger oder Flutlichtstrahler: Die Kleinen kannten alle dieser Geräte und Werkzeuge exzellent, konnten sie absolut beeindruckend einsetzen und die ihnen gestellten Aufgaben mit Bravour lösen. Da fiel es nicht auf, das hier Kinder am Werk waren. Sie kannten die Beladung ihrer schweren Einsatzfahrzeuge auf Anhieb, es machte einfach Spaß, dem Treiben zuschauen zu dürfen.
Dabei im Licht der Öffentlichkeit zu stehen, machte den Kindern keinerlei Probleme. Ruhig und souverän meisterten sie ihre Aufgaben mit dem gewohnten Perfektionismus.
Die Ortsverbände aus Hückeswagen (I und II), Gummersbach, Olpe und Bergneustadt waren in Bad Berleburg im Einsatz und ihre Leistungen wurden dabei durch die strengen Augen der Schiedsrichter ausgewertet. Bei der anschließenden Siegerehrung erhielten alle Mannschaften Medaillen für die erfolgreiche Teilnahme. In Bad Berleburg trifft sich die THW-Jugend übrigens jeden dritten Samstag im Monat beim THW Haus in der Sauerlandstraße (B 480) in Raumland. Wer mitmachen möchte, ist herzlich Willkommen.
Was war am Samstag eigentlich mit den heimischen THW-Helfern los, denen aus dem OV Bad Berleburg? Die waren schon um kurz nach fünf in der Frühe im Einsatz und deshalb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Sie hatten nämlich den Marktplatz in hellem Licht erscheinen lassen, eine Bühne aufgebaut, Zelte errichtet, das Bürgerhaus für die Siegerehrung vorbereitet und sich um jede Menge organisatorische Aufgaben und die Ausrichtung des Bezirksjugendwettkampfes gekümmert. Hoch motiviert, gewohnt professionell und leise, um die schlafende Bevölkerung nicht zu wecken. Deshalb hat sie am frühen Morgen kaum jemand bemerkt. Wie so oft, wenn sie hoch motiviert, professionell und leise Arbeiten. Immer im Dienste des Nächsten.